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In Vino Veritas

Teil: 1/1
verfasst: 15.+16.04.2004
Autor: Esther (esda)
eMail: natsu@originalfiction.de
URL: www.natsu.de.vu
Genre: reale Welt
Bewertung: PG
Warnungen: keine
Inhalt: Uhm? eine Inhaltsangabe w?rde bei einer so kurzen Geschichte alles schon verraten, deshalb lass ich es lieber bleiben ^^?

Kommentar: Das hier sollte eine Geschichte zu einem Wettbewerb bei Animexx sein.
Die Bedingungen waren, dass eine Liebesgeschichte, ein Kuss und die Worte "Meer", "Baka" und "Mamotte ageru!" ("Ich werde dich besch?tzen!") eingebaut sein mussten.
Ich glaube, ich bin kl?glich gescheitert, aber ich befinde mich in einer ziemlichen Stress-Phase, die dabei ist meine Inspiration und Muse niederzumeucheln -_-?

Gewidmet ist dieser Schandfleck deutscher Literatur meinem Schatz rosy, die diese Geschichte - wider alle Vernunft - \'s??\' findet. *anpl?sch*



Uhhh... so wie es aussah, hatte ich wohl mal wieder Schei?e gebaut, verdammt gro?e Schei?e!
?chzend versuchte ich mich vergeblich aus der Umklammerung und dem Schlafsack zu befreien, lie? mich schlie?lich aber hoffnungslos mit dem Kopf voraus wieder fallen.
Wie schrecklich! Das durfte doch alles gar nicht wahr sein!, wimmerte ich gedanklich in die Daunen meiner Liegest?tte.
Sobald er aufwachte, w?rde er mich umbringen.
Keiji Takeshita.
Mein heimlicher Schwarm.

Im Moment sah er aber noch nicht danach aus, denn er schlief immer noch friedlich seinen Rausch aus.
Mein Kopf dr?hnte unterdessen, als w?rde darin ein dutzend Kampfflieger den Ernstfall proben und auch mein Magen benahm sich lebendiger als mir lieb war.
Uhhhh....
Schei? Feier, schei? Alkohol!
An mehr erinnerte ich mich ohnehin nicht: Wir hatten gefeiert und ich hatte getrunken.
Der Rest lag in gn?diger Dunkelheit. \'Gn?dig\' deshalb, weil mir auf diese Weise die peinlichen Details erspart blieben. - Allerdings konnte das Unwissen darum mich nicht vor der Tatsache retten, *dass* etwas passiert war. Denn der nackte Keiji, der zusammen mit mir in einem Schlafsack - seinem Schlafsack - lag, bewies das leider nur allzu deutlich.
Ich st?hnte noch einmal besch?mt auf und erinnerte mich an die vergangenen Tage.



Keiji und ich waren beide im Fu?ballverein unseres kleinen St?dtchens. Er war ein Jahr ?lter als ich und auf demselben Gymnasium in der Klasse ?ber mir.
Nach den Sommerferien hatte er auf unsere Schule gewechselt. Und obwohl er erst seit drei Jahren in Deutschland war, beherrschte er unsere Sprache perfekt - so wie auch alles andere an ihm perfekt zu sein schien.
Von dem Augenblick an, als ich ihn das erste Mal bei uns trainieren gesehen hatte, war es um mich geschehen gewesen. Liebe auf den ersten Blick. Wie furchtbar!
Vorher hatte ich nicht mal gewusst, dass ich auf M?nner stand, doch die ziemlich eindeutigen Gedanken und Tr?ume mit Keiji als Inhalt, bewiesen es mir recht schnell. Tr?ume, in denen ich ihm durchs seidige, ebenholzfarbene Haar strich, das ihm offen ?ber die Schultern fiel anstatt wie sonst mit einem Gummiband geb?ndigt zu werden. Phantasien, in denen ich Keiji innig k?sste und bedauerte, dass er dabei seine kastanienbraunen Augen geschlossen hatte und ich nicht in ihnen versinken konnte. Luftschl?sser, in denen ich noch viel mehr mit ihm anstellte, was mir jedes Mal das Blut ins Gesicht und eine tieferliegende K?rperregion trieb.
Da ich mich aber kaum zu einer Ann?herung bewegen konnte, himmelte ich ihn nur heimlich aus der Ferne an. Denn obwohl wir in einer Mannschaft spielten, schien er unerreichbar f?r mich. Wer wollte denn auch schon was mit *mir* zu tun haben?! Mir spielte nicht mal jemand einen Ball zu, weil man mich f?r unf?hig hielt und in der Schule hatte ich meine speziellen \'Freunde\', die mir das Leben zur H?lle machten.
Einziger Lichtblick war Keiji, dessen immer strahlendes Gesicht mit dem bezauberndsten L?cheln der Welt ich am Liebsten ununterbrochen sehen wollte. Oftmals war er f?r mich sogar der einzige Grund, der Schule nicht doch fern zu bleiben. So gesehen, war es vielleicht ganz gut, dass ich mich in ihn verliebt hatte...

Vor zwei Wochen widerfuhr mir dann eine zugleich schmerzhafte wie auch befreiende Peinlichkeit. Nach dem Unterricht hatte ich versucht m?glichst schnell vom Schulgel?nde runterzukommen, um eine Begegnung mit meinen Lieblingsfeinden zu vermeiden. Allerdings erwarteten eben diese mich schon vor dem Ausgang. Als ich sie sah, wollte ich sogleich den R?ckzug einl?uten und entweder eine anderen Weg suchen oder so lange in einem guten Versteck warten, bis sie sich verzogen h?tten. Bl?d nur, dass mich bei meinem Fluchtversuch schon einer der f?nf Kerle gesehen hatte und mich mit einem Griff seiner klodeckelartigen H?nde am Kragen zu den anderen zerrte.
Und wieder hatte ich die t?gliche Abreibung ?ber mir ergehen zu lassen. Ich hoffte nur, dass sie sich diesmal beeilen w?rden. Am n?chsten Tag wartete eine Englischarbeit auf mich, f?r die ich noch lernen wollte. Erfahrungsgem?? hatten sie aber immer bereits dann genug, wenn meine Kleidung total zerrissen und verdreckt und mein K?rper mit blauen Flecken und anderen Blessuren ?bers?ht war.
Ich wusste nicht, warum sie sich ausgerechnet mich ausgesucht hatten, um sich abzureagieren, aber vermutlich war ich einfach ein gutes Opfer: kleiner als der Durchschnitt der Jungs in meinem Alter, nicht grade muskul?s und damit ziemlich wehrlos.
Mit zusammengebissenen Z?hnen und ohne Gegenwehr zu leisten - denn sie waren ohnehin in der ?bermacht - versuchte ich die Prozedur zu ertragen, ohne einen Schmerzenslaut von mir zu geben. Schon halb durch die Schmerzen und die in regelm??igen Abst?nden auf mich einprasselnden Schl?ge benebelt, vernahm ich eine mir bekannte Stimme, die aufgebracht etwas rief. Kurz darauf f?hlte ich, wie mich die H?nde, die mich am Schlafhitchen in die H?he gehalten hatten, verschwanden und ich dem Boden entgegenglitt. Ich h?rte noch Schritte und wie es vermutlich eine Rangelei gab, an der ich ausnahmsweise mal nicht beteiligt war. Dann herrschte pl?tzlich Stille und als ich meine Augen m?hsam aufzwang, sah ich mich mit dem besorgten Blick aus kastanienfarbenen Tiefen konfrontiert. Bestimmt bin ich automatisch rot angelaufen, weil Keiji mir so nah war wie sonst nur in meinen Tr?umen und ich musste mich arg zusammenrei?en, um nicht in schl?pfrige Phantasien abzudriften.
"Baka!" war das Erste, was ich von ihm zu h?ren bekam und an meinem d?mlichen Blick musste er wohl erkannt haben, dass ich nur Bahnhof verstand.
"Das hei?t so viel wie \'Idiot\'! - Und du brauchst gar nicht so vorwurfsvoll zu gucken, denn du bist doch auch einer, wenn du dir diese Gemeinheiten einfach so gefallen l?sst."
Daraufhin war ich erst mal beleidigt. Ich hatte ja wohl ?berhaupt keine Chance gegen diese f?nf Kerle mit der schrankartigen Statur und h?tte damit alles nur noch schlimmer gemacht. Das wusste ich deshalb so genau, weil ich es fr?her tats?chlich mal versucht hatte mich zu wehren.
Allerdings... Keiji war noch ein St?ck kleiner als ich und hatte, wie ich bei einem m?hsamen und wegen verrenkten Knochen auch ein wenig schmerzhaftem Rundumblick festgestellt hatte, eben diese f?nf Schr?nke vertrieben.
"Wie...", setzte ich an, wurde aber durch ein atemberaubendes L?cheln von ihm unterbrochen.
"Zweiter Dan im Karate und erster Dan im Judo. Leider komme ich hier in Deutschland nicht sehr oft zum Trainieren, aber manche Dinge verlernt man eben nie." Er tat die Sache mit einem Schulterzucken ab. Dann streckten sich seine H?nde mir entgegen und zogen mich schlie?lich in die H?he, wo ich so lange ohne Gleichgewichtssinn herumtaumelte, bis er sich seufzend meinen linken Arm um die Schulter legte.
"Baka!", sagte er schon wieder, aber ich empfand es nicht als Beleidigung, weil er es dazu viel zu weich ausgesprochen hatte. "Wo wohnst du?"

Seit diesem Tag hatte ich Ruhe vor meinen handgreiflichen Verehrern. Und erfreulicherweise bekam ich so etwas wie eine Freundschaft zu Keiji hin.
Der schien auch wirklich noch mehr Worte als \'Baka\' zu beherrschen, mit denen er mich ansprechen konnte, auch wenn das immer noch seine Lieblingsbezeichnung f?r mich war.
Als der Zeitpunkt des Fu?ballturniers, das ?ber ein ganzes Wochenende gehen und bei dem wir ?bernachten sollten, immer n?her r?ckte, schien klar zu sein, dass wir uns ein Zelt teilen w?rden.
Obwohl ich mich nat?rlich wie bekloppt dar?ber freute, hatte ich doch wahnsinnige Angst, dass meine Phantasien mich in irgendeine peinliche Situation bringen w?rden, wenn ich nicht sehr viel Vorsicht walten lie?.
Was, wenn ich im Schlaf redete und seinen Namen st?hnte? Oder wenn ich einen? \'eindeutigen\' Traum von ihm hatte und mit Morgenlatte aufwachte. Uh... das w?re garantiert mein Ende!
Das Meer an Sorgen, in dem ich zu ertrinken drohte, ebbte durch die Vorfreude auf das Turnier jedoch rasch ab - auch wenn ich immer noch bef?rchtete, dass es nur zu bald wieder in Form einer Sintflut zur?ckkehren w?rde.

Unser Wochenendtrip war schneller gekommen, als ich mir ertr?umt hatte. Schon die Fahrt mit unserem Chaotenverein musste f?r den Busfahrer die reinste Qual gewesen sein, wohingegen wir uns k?stlich am?sierten. Gleich am ersten Tag hatten wir drei Spiele, in denen Keiji sein Geschick als St?rmer unter Beweis stellte. Aus einer v?llig bescheuerten Sentimentalit?t heraus war ich unglaublich stolz auf ihn, obwohl ich wohl eher h?tte eifers?chtig auf so viel Talent sein sollen.
Und am Abend dann, da stieg unsere gro?e Siegesfeier, obwohl wir noch zwei weitere Tage durchzustehen h?tten. Aber selbst unser Trainer lie? sich nicht davon abhalten Alkohol en masse zu konsumieren.
Ich wei? nur noch, dass sich Keiji zu mir ans Lagerfeuer gesetzt hat und wir mit Rotwein in Plastikbechern angesto?en haben. Und dass es nicht bei der einen Flasche geblieben war?



Wann und wie ich zur?ck ins Zelt gekommen war und was sich dann ereignet hatte... daran hatte ich keinerlei Erinnerung mehr. Aber ich konnte es mir leider nur zu lebhaft vorstellen, denn die Art und Weise, wie ich im Zelt mit Keiji lag, lie? keinerlei Spielraum f?r Spekulationen.
Schei?e, verdammte!
Ich musste dort weg, bevor er aufwachte und diese Katastrophe sah.
Vielleicht erinnerte er sich ja genauso wenig an die vergangene Nacht wie ich. Dann reichte es, wenn ich einfach zur?ck in meinen Schlafsack kroch und so tat, als sei nichts gewesen - oder es zumindest versuchte. Wenn da nur nicht sein Arm gewesen w?re, der sich derma?en besitzergreifend um meine Brust geschlungen hatte!!
Beim Versuch diese Extremit?t wegzuschieben, kuschelte er sich nur noch n?her an mich und murmelt im Schlaf.
"Mamotte ageru!"
Err?tend dachte ich an den Tag zur?ck, an dem er mich vor den Schulschl?gern gerettet hat. Da hat er das Selbe gesagt. \'Mamotte ageru!\' Auf meinen zweiten d?mlichen Blick an diesem Tag, hatte er dann err?tend ?bersetzt: \'Ich werde dich immer besch?tzen.\' und dann noch schnell angef?gt, dass er das ja wohl tun m?sse, weil ich scheinbar nicht auf mich selbst aufpassen k?nne. P?h, was war ich auf diese Bemerkung beleidigt gewesen - und gleichzeitig so unendlich gl?cklich.
Ob er in diesem Moment gerade an mich dachte, von mir tr?umen musste?!
Widerwillig sch?ttelte ich den Kopf.
Tr?um nicht so viel!, ermahnte ich mich. Das, was am Vorabend passiert war, war die Schuld des Alkohols gewesen. Wer wusste, wie ich ihn dazu bekommen hatte?!
Mein n?chster Versuch mich von ihm zu befreien war nachdr?cklicher. Der Typ war kleiner als ich, der konnte doch unm?glich im Schlaf so eine Kraft haben und mich festhalten!
Ziehen, dr?cken, ziehen, dr?...
"Baka, lass das!", murmelte es von unten her und ich err?tete. Ich hatte ihn aufgeweckt. Nun hatte ich den Salat.
"Keiji... ich..."
Sein anderer Arm griff nach mir und zog mich wieder zu ihm herunter, meine Bem?hungen zunichte machend.
"Baka! Lass uns weiterschlafen, ich bin noch m?de von dieser Waaaaahnsinnsnacht."
Das L?cheln in seinem Gesicht verzog sich zu einem anz?glichen Grinsen und ich war mir sicher inzwischen wie eine ?berreife Tomate auszusehen. Unsere Nasenspitzen waren keine zehn Zentimeter voneinander entfernt und sein Kichern ging mir durch Mark und Bein.
"Du bist so niedlich, wenn du err?test... hm..." Er schnupperte an meinen Haaren und wenn es m?glich gewesen w?re, h?tte sich der Farbton in meinem Gesicht noch intensiviert. "Das bist du heute Nacht auch st?ndig... err?tet meine ich... selbst im schwachen Licht der Taschenlampe hat man deine Birne bestimmt kilomeeeterweit leuchten sehen!"
Nun lachte er auch noch, der fiese Kerl, aber ich war froh, dass er anscheinend nicht vorhatte, meinem jungen Leben ein vorzeitiges Ende zu bereiten.
"Keiji..."
Ein inniger Kuss versiegelte meine Lippen und ich glaubte zu vergl?hen.
"Baka...", nuschelte es rau an meinem Ohr. "Du redest zu viel."
Feingliedrige H?nde streichelten und wuschelten durch meine Haare.
"Du solltest besser aufpassen, sonst vernasch ich dich gleich hier und jetzt nochmal. Und das w?re wirklich ganz ?bel, denn wir Beide werden unsere Energie f?r die Spiele heute noch brauchen. Au?erdem... vermute ich, dass unsere Nachbarn es uns nicht verzeihen werden, wenn wir sie schon wieder wecken..."
Bl?des Turnier! Bl?de Feier! Bl?der Japaner! Wie hatte ich mich nur in *den* verlieben k?nnen?!
Doch als seine H?nde sich um meine H?fte legten, mich ganz nah an ihn heranzogen, er seinen zerzausten Schopf an meine Brust dr?ckte und wieder langsam und regelm??ig zu atmen begann, hegte ich keinerlei Zweifel mehr, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte.

ENDE

19.6.04 10:21


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